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Dr. Michael Ulrich erhält das Bundesverdienstkreuz

für langjähriges Engagement in Indien


Seit zwei Jahrzehnten engagiert sich der Nesselwanger Arzt Dr. Michael Ulrich (59) für die Ärmsten, für Leprakranke, "Unberührbare" und Sterbende. Heute überreicht ihm dafür Staatsekretär Franz Josef Pschierer im Bayerischen Finanzministerium das Bundesverdienstkreuz.

Über die Ehrung freut er sich. "Aber noch mehr freuen sich meine Freunde in Indien, die indischen Ärzte und Schwestern, die sich uneigennützig engagieren, weil unsere gemeinsame Arbeit durch die Auszeichung anerkannt und aufgewertet wird", erklä-
rt Dr. Ulrich. Zusammen mit indischen Ärzten hat er die Hilfsorganisation "Karuna Prem" gegründet,  die sich in übervölkerten Slums und Lepradörfern um Kranke,
Ausgestoßene und Menschen kümmert, die auf der Straße liegen und die kein Kran-
kenhaus aufnimmt.

Ein Anruf im August 1989 hat das Leben des Nesselwangers verändert: "Mit William, einem befreundeten Theologen aus Rom, dem einstigen Beichtvater von Mutter Theresa wollte ich in die Berge gehen. Eines Tages rief er ziemlich geknickt an, dass
aus den Touren nichts wird. Mutter Theresa habe ihn zu Exerzitien nach Indien ge-
rufen. Ich habe spontan geantwortet, würde mich Mutter Theresa anrufen, würde
ich gern auf eine Bergtour verzichten", berichtet der Mediziner. Bald darauf  rief sie tatsächlich in seiner Praxis an. "Sie lud mich ein, William nach Kalkutta zu begleiten
und Leprakranke zu versorgen", erinnert er sich.

Sein erster Einsatz im Leprahaus von Mutter Theresas Missionarinnen der Nächstenliebe war nach seinen Angaben "scho-
ckierend". Drei indische Ärzte kamen alle zwei Wochen und operierten mit defekten Instrumenten 60 Patienten am Tag. "Ein unvorstellbares Elend. Für neues Operationsbesteck fehlte dem Orden das Geld", so Ulrich. "Nach meiner Rückkehr besuchte mich ein Hersteller medizinischer Geräte aus Ulm und fragte, was wir brauchen könnten. Man mag es Zufall oder göttliche Fügung nennen", sagt er.

Seither bringt Ulrich jedes Jahr Geld, Medikamente und medizinische Hilfsmittel nach Indien und kümmert sich um die medizinische Versorung der Ärmsten, um Hygieneerziehung, Familienplanung, Ausbildung und Hilfe zur Selbsthilfe. Er wohnt unter den Menschen und organisiert mit Ärzten und Schwestern seiner Hilfsorganisation Medizincamps in abgele-
genen Gebieten, wo in einer Woche Tausende auf eine Behandlung warten.

Jedes mal kehrt er zufrieden und mit der Gewissheit heim, geholfen zu haben: Die Menschen in Indien gingen mit Tod, Krankheit und Leid viel natürlicher um als wir, sagt er: "Wenn man erlebt, wie dankbar Schwerstkranke sind, kommen die Tränen." Er reist auf eigene Kosten: "Jeder Cent, der uns gespendet wird, fließt abzugsfrei in die Indienhilfe" betont er und lobt die "tolle Hilfsbereitschaft im Allgäu, von der Rentnerin bis zum Unternehmer".



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